Fachforum 2010

Energiewende gestalten – Integrierte Energie- und Klimaschutzkonzepte und Prozessmanagement

Unter diesem Thema fanden sich am 5. Februar 2010 im Rahmen des traditionellen Fachforums des Kompetenzzentrums für Raumforschung und Regionalentwicklung in der Region Hannover Expertinnen und Experten aus ganz Deutschland in den Räumen des Handelshauses in Hannover ein, um darüber zu diskutieren, wie die Energiewende gestaltet und somit Klimaschutz vorangebracht werden kann.

 

Uwe SchneidewindKlimawandel – eine Transformationsherausforderung

Nach der Begrüßung der Anwesenden durch den Vorsitzenden des Kompetenzzentrums, Dr. Arno Brandt, gab Prof. Dr. Uwe Schneidewind (Bild), Carl von Ossietzky Universität Oldenburg, Vorsitzender der niedersächsischen Regierungskommission Klimaschutz, mit dem Thema „Energiewende gestalten – in Niedersachsen“ einen einleitenden Rahmen. Er betonte, dass der Klimawandel eine Transformationsaufgabe sei, bei der die eigentliche Herausforderung darin liege, einen ökonomischen, kulturellen und sozialen Wandel herbeizuführen, um die gesteckten Klimaschutzziele zu erreichen. Die technologischen Möglichkeiten für die Erreichung des Ziels, die CO2-Emissionen bis 2050 um 80 % zu senken, seien bereits gegeben. Weiter führte er an, dass die frühzeitige Investition in umfassenden Klimaschutz zudem auch ökonomisch günstiger sei als weiteres Abwarten. Laut Schneidewind ist die Klimaherausforderung ein Mehrebenenproblem, das global, kontinental, national, auf Landesebene sowie auch kommunal angegangen werden muss. Abschließend stellte er grundlegende Aspekte einer niedersächsischen Klimastrategie vor. Niedersachsen ist für ihn eine Art Labor für die Energiewende. In die Laborarbeit müssen alle Schlüsselakteure einbezogen werden.

Mögliche Säulen einer niedersächsischen Strategie



Quelle: Schneidewind 2010

 

Klimaschutz in der Region Hannover und in der Region Trier

Prof. Dr. Axel Priebs, Erster Regionsrat der Region Hannover, und Roland Wernig, Ltd. Planer bei der Planungsgemeinschaft Region Trier, stellten anschließend in ihren Vorträgen „Energiewende gestalten – in der Region Hannover“ sowie „Energiewende gestalten – in der Region Trier“ die Arbeit in diesen Räumen, beides Untersuchungsregionen im Rahmen des aktuellen Modellvorhabens der Raumordnung (MORO) „Strategische Einbindung regenerativer Energien in regionale Energiekonzepte“, in Hinblick auf den Klimaschutz vor.

Priebs erläuterte wichtige Meilensteine der Region Hannover zum Klimaschutz, wie beispielsweise die Gründung der Klimaschutzagentur 2001 und die Verabschiedung des Klimaschutzrahmenprogramms 2009. Er zeigte an verschiedenen Projekten auf, wie Klimaschutz in der Region Hannover aussehen und welche Beiträge die Region leisten kann. So fördert die Region beispielsweise den Passivhausstandard bei Altbaumodernisierungen und Neubauten oder die Einsetzung eines Hybridbusses bei den Verkehrsbetrieben, der seit Juli 2008 im Testbetrieb ist. Die Regionalplanung leistet vor allem durch die räumliche Steuerung der Windenergie, aber auch durch die gute Verknüpfung von Siedlungsentwicklung und ÖPNV wichtige Beiträge zum Klimaschutz.

Roland Wernig betonte in seinem Vortrag die Notwendigkeit einer engen Verknüpfung harter und weicher Planungsinstrumente. In der Planungsregion Trier wurden umfangreiche Analysen des Energieverbrauchs einerseits sowie der Potenziale der einzelnen erneuerbaren Energieträger andererseits durchgeführt. Im Ergebnis zeigte sich, dass – auch aufgrund erheblicher Einsparpotenziale – der Verbrauch privater Haushalte und Kleinverbraucher theoretisch vollständig durch erneuerbare Energien abgedeckt werden kann. Die Umsetzung des in der Folge erstellten Konzepts erfolgt durch das Regionale Raumordnungsprogramm (Standortsteuerung und Flächenvorsorge) und die Bauleitplanung sowie durch Ansätze der Regionalentwicklung (Zukunftsstrategie Region Trier 2025, z. B. Regionale Energieagentur). Wichtig ist laut Wernig, die relevanten Akteure einzubinden – allerdings darf auch der Aufwand eines dialogorientierten Vorgehens nicht unterschätzt werden.

 

Gute Aussichten für erneuerbare Energien

Im abschließenden Teil der Veranstaltung diskutierte eine Expertenrunde – Harald Noske (Technischer Direktor der Stadtwerke Hannover AG), Matthias Herzog (E.ON Avacon-Netzvorstand), Andreas Manz (Landkreis Hameln-Pyrmont), Cort-Brün Voige (Bürgermeister der Samtgemeinde Rethem im Landkreis Soltau-Fallingbostel), Udo Sahling (Klimaschutzagentur Region Hannover GmbH) und Hans Mönninghoff (Erster Stadtrat, Umwelt- und Wirtschaftsdezernent der Stadt Hannover) – unter der Moderation von Stephanie Rahlf (KoRiS) Fragen zum Erreichen von Klimaschutzzielen. Insgesamt waren die Diskussionsteilnehmer zuversichtlich, die ehrgeizigen Ziele der Bundesregierung, wie beispielsweise die Erhöhung des Anteils erneuerbarer Energien im Strombereich bis 2020 auf 25–30 %, in ihrer Region, ihrem Landkreis, ihrer Kommune erreichen zu können, bzw. gaben an, diese Ziele zum Teil schon erfüllt zu haben.

So erläuterte Manz, dass im Landkreis Hameln-Pyrmont bereits im Jahr 2007 die erneuerbaren Energien einen Anteil von 25 % im Strombereich ausgemacht haben. Voige sprach in Bezug auf die Kooperation Aller-Leine-Tal, zu der auch die Samtgemeinde Rethem gehört, sogar von 57 % (Stand 2010). Ziel der Kooperation seien 100 % im Jahr 2020. Auch Sahling drückte seine Zuversicht dahingehend aus, dass man in der Region Hannover 2020 einen Wert von bis zu 30 % erreichen könnte. Noske hob hervor, dass für eine Energiewende, also für das konsequente Umsteuern auf erneuerbare Energien, Investitionen in Höhe von 500 bis 600 Milliarden Euro notwendig sind. Angesichts der finanziellen Perspektiven müssen die Gelder effizient eingesetzt werden.

Als Fazit des Fachforums 2010 lässt sich festhalten, dass die zahlreichen Regionen, Kommunen und Akteure auf einem guten Weg sind, ihre Klimaschutzziele einzulösen. Diese können aber nur realisiert werden, wenn alle Beteiligten an einem Strang ziehen.

Philipp Moritz Jünger, Geschäftsstelle der ARL